Die Blaue-Ohren-Krankheit
Nach der Vogelgrippe, die 1997 in Hong Kong ausbrach, und der Epidemie SARS im Jahr 2003, zieht China mit der raschen Verbreitung der Blaue-Ohren-Krankheit (PRRS) erneut die Aufmerksamkeit der Finanzmärkte auf sich...
Wir dürfen aber beruhigt sein, Menschenleben sind nicht in Gefahr! Nur Schweine (Spar- und Wohlstanssymbol) können von dieser auf den Menschen nicht übertragbaren Krankheit (bekannt unter dem Namen „Blue Ear Desease“), die in den USA zum ersten Mal Mitte der 80er Jahre aufgetreten ist, befallen werden.
Das erleichtert uns zwar hinsichtlich der Zukunft der menschlichen Spezies, aber das Schweinesterben (33 000 seit dem Jahresbeginn) und die Vorsicht der Schweinezüchter, die ihre Ware nicht verlieren wollen, führten zu einem plötzlichen Preisanstieg (+43% innerhalb von einem Jahr) dieses Grundnahrungsmittels der chinesischen Stadtbevölkerung (19 kg pro Jahr und Person). Der Dominoeffekt, hervorgerufen durch den brutalen Anstieg (+26,5%) der Fleisch- und Geflügelpreise im Mai führte innerhalb von nur einem Jahr zum Anstieg der chinesischen Inflation auf 3,4%, eine Zahl, die das öffentliche Inflationsziel von 3% bei weitem übersteigt.
Diese Preissteigerung in China ist es, die die Sorge der Anleger nährt, denn sie schwächt einen Pfeiler des „idyllischen“ Wirtschaftsumfelds, in dem wir leben.
Seit vier Jahren wächst die Wirtschaft weltweit aufgrund der von den westlichen Verbrauchern importierten Baisse der Gewerbepreise (+ 4% pro Jahr); es entsteht keine Inflation (unter 2% in den Industrieländern), die Zinssätze bleiben niedrig und sorgen damit für die Finanzierung der Beschleunigung der wirtschaftlichen Expansion… und für den Wohlstand der Finanzmärkte!
Damit ist klar, warum selbst die geringste Störung in diesem komplexen Mechanismus den Anlegern größte Sorgen bereitet und die Finanzmärkte in Alarmbereitschaft versetzt.
Jetzt wissen wir zwar etwas über die Bedeutung des Schweinskoteletts für die Zukunft unserer Ersparnisse, aber reicht das aus, um uns eine sichere Meinung über die Zukunft des chinesischen Schweinefleischpreises zu bilden…? Sehr wahrscheinlich haben wir uns gar keine Meinung darüber gebildet und fühlen uns hinsichtlich der Vorwegnahme des nächsten Preisschubs ziemlich unsicher.
Die Nachvollziehung des weltweiten Anstiegs der landwirtschaftlichen Rohstoffpreise, fällt uns da schon etwas leichter. Seit einem Jahr ist deren Hausse-Trend ebenso Schwindel erregend wie die seit 2005-2006 spektakulär gestiegenen Preise für braune Bohnen (+20%), Weizen (+56%), Palmöl(+75%) und Milch (+80%).
Erklärungen für die Brutalität dieser Preisbewegungen gibt es genug: weltweite Dürreperioden (insbesondere in Australien und China), Entwicklung der Bioenergien (gewonnen aus Mais und/oder Zuckerrohr), aber vor allem die Entwicklung und der Zugang zum Verbrauch von Millionen von Menschen.
Natürlich beherrschen wir die Wetterkonjunktur nicht (ein weiterer Beweis für die klimatischen Veränderungen?); die wachsenden Bedürfnisse der Bevölkerungen der „neuen“ Konsumländer vermitteln uns aber dennoch den Eindruck, dass es sich bei diesen Hausse-Bewegungen der landwirtschaftlichen Rohstoffpreise möglicherweise um einen anhaltenden Trend handelt… und dass der Preis für Schweinefleisch in China (Schweine fressen Weizen...) nicht ebenso schnell wieder sinken wird wie er gestiegen ist.
Ziehen wir aber keine voreiligen negative Schlüsse! Denn die Hausse des "Schinkenpreises" steht natürlich nicht direkt im Verhältnis zum Niedergang der Märkte… Dennoch sollten wir realistisch bleiben, denn auch die fetten Jahre haben einmal ein Ende.