MONATLICHER NEWSLETTER

Small World *


Gehören die Zeiten des „Wirtschaftspatriotismus“ und der Angst vor ausländischen Investitionen der Vergangenheit an? Vor nicht all zu langer Zeit hätte eine Beteiligung ausländischer Unternehmen in den Wirtschaftsbereichen Joghurt, Eisen- und Stahlindustrie oder in jedem anderen, als strategisch geltenden Industriezweig, den Zorn der Politiker und die Entrüstung kluger Kommentatoren hervorgerufen. Nach der Finanzkrise, die die Märkte erschütterte und immer noch erschüttert, scheinen sich solche nationalen Gefühle eher zu verflüchtigen.
Es ist sogar wahrscheinlich, dass derzeit einige „Opfer“ auf der Suche nach „exotischen“ Geldgebern die ganze Welt bereisen! Wahrscheinlich ist, dass das Management von CITIGROUP, der größten amerikanischen Bank (165 Mrd. $ Börsenkapitalisierung, mit einer Baisse von nahezu 50% in diesem Jahr) genau dies tun musste, um seinen „Retter“ ausfindig zu machen. Der Staatsfonds Abu Dhabi (875 Mrd. $ Umlaufvolumen) wird als Weihnachtsgeschenk 7,5 Mrd. Petrodollars in die amerikanische Bank stecken, um letztendlich eine Beteiligung in der Höhe von etwas weniger als 5% zu erreichen. Solche Transaktionen sind in der Geschichte von CITIGROUP nicht neu, denn bereits 1991 versorgte der saudische Prinz Al-Waleed die Bank mit 600 Millionen Petrodollars, um die Finanzstruktur der Bank zu stärken, die damals in die Fänge der Finanzkrise Lateinamerikas und des Bausektors geraten war. Eine gute Idee, denn seine Beteiligung an CITIGROUP ist heute ungefähr 10 Mal so viel wert!
Die Baisse der Börsenkurse und die gleichzeitige Dollarabwertung könnten aus dem „Weihnachtsshopping“ übrigens einen Trend machen, der scheinbar ohnehin nicht mehr aufzuhalten ist. Die Singapur-Fonds halten bereits 16% der Bank STANDARD CHARTERED. CHINA DEVELOPMENT BANK stieg in diesem Sommer mit 6,7% in das Kapital von BARCLAYS ein. Eine chinesische Versicherungsgesellschaft PING AN erwarb 4% des Kapitals von FORTIS. Übrigens eine intelligente Art, für diesen, für Novizen unbekannten Versicherungskonzern, der an der Börse von Hongkong immerhin ein Schwergewicht von über 100 Mrd. $ ist, Werbung zu machen.
Ein weiterer Beweis für den Ehrgeiz dieser Neuankömmlinge ist die Tatsache, dass DUBAÏ CAPITAL eben erst die Herren Nobuyuki Idei, Helmut Panke und Jean-Pierre Garnier (Ex-Direktoren oder künftige Direktoren von SONY, BMW und GLAXOSMITHKLINE) als Berater einstellte. Wurde dieses Super-Team lediglich zum Zählen der A380 der EMIRATE (58 feste Bestellungen gegenüber 10 für AIR FRANCE) engagiert?
Neben den Investitionsmöglichkeiten, die die jüngste Kurs-Talfahrt auf den Finanzmärkten schafft, vermitteln die o. g. Beteiligungen folgende wichtige und positive Botschaft: Auch die Interessen der Finanzwelt sind global! Die Globalisierung geht weiter und die internationale Vernetzung der Wirtschaften betrifft nicht mehr nur die Industrieländer. Mit solchen Investitionen binden die Schwellenländer Ihren künftigen Reichtum an die Gesundheit der westlichen Unternehmen, deren Aktionäre sie werden, an.
Dieses gemeinsame Interesse ist auch zwischen den Industrieländern und der OPEC zu erkennen. Die Lektion aus den Mineralölschocks hat sich dauerhaft in den Köpfen festgesetzt! Ein Huhn, das goldene Eier legt, darf nicht getötet werden, um in den Konsumländern keine allzu große wirtschaftliche Verlangsamung zu verursachen. Niemand wünscht ernsthaft eine zu rasche Überschreitung der schicksalhaften 100 $-Grenze pro Baril.
Wird das Allgemeininteresse auch über die Devisen siegen? Selbst wenn die Vereinigten Staaten sich in der unmittelbaren Gegenwart mit einem schwachen Dollar zufrieden geben, der ihre Ausfuhr und ihr kurzfristiges Wachstum stützt, darf man sich fragen, ob es klug ist, dass die Währung der weltweit größten Wirtschaft so stark abgewertet ist? „Es ist nicht im Sinne des Allgemeininteresses, wenn Währungen zu „abrupt“ schwanken“, so sieht es jedenfalls Herr Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank. Natürlich leidet EADS täglich unter der Dollar-Baisse (die Währung, in der es seine Rechnungen ausstellt), aber gleichzeitig bietet der starke Euro zum gegenwärtigen Kurs die Möglichkeit, 10%, des Kapitals von CITIGROUP um nur 10 Mrd. € zu kaufen. Im Herbst des Jahres 2000 hätten diese 10 Mrd. € kaum gereicht, um 3% des Kapitals zu kaufen! Und wenn sich der „Kaufrausch“ des Restes der Welt zum Jahresende in Amerika beschleunigt, wird dies letztendlich zu einer Aufwertung des grünen Geldscheins führen.
Das größte Risiko für unsere globalisierten Wirtschaften wäre wohl die Rückkehr zum Protektionismus mit der Schließung der Grenzen als Folge der Turbulenzen auf den Märkten, der dem Elan dieser neuen Anleger ein jähes Ende bereiten würde. Diesbezüglich können wir aber ganz beruhigt sein! Die jüngsten Beispiele zeigen, dass die Welt und die Ideen sich unweigerlich immer mehr öffnen: am 1. Dezember wurde Zhang Zi Lin, eine junge 23-jährige Frau aus Peking, zur Miss World 2007 gekürt. Ein wahrhaft schönes Beispiel!

Zurück zum Seitenanfang

Drucken des Leitartikels
Alle beschriebenen Fonds haben die BaFin-Registration bekommen und sind jetzt für den Vertrieb in Deutschland verfügbar.