Das Wort "außergewöhnlich" ist nicht zu stark: Negative Börsenjahrzehnte kamen in den vergangenen
130 Jahren nur in Zeiten hoher Deflation (30er Jahre) oder hoher Inflation (70er Jahre)* vor, aber niemals in einer "klassischen" Finanzperiode.
Die Sachlage ist schonungslos: 10 verlorene Jahre für den CAC 40 oder SBF 250, die von Oktober 1999 bis Oktober 2009 26% bzw. 18% verlieren. Wenn die Dividende wiederangelegt wird, bleibt eine negative Performance von 4,1% für den CAC 40, während der Zuwachs für den SBF 250 kümmerlich ist (6,7%). In beiden Fällen erbrachten die Aktien zehn Jahre lang nichts! Wir suchten vergebens nach gegenteiligen Beispielen, wobei festgestellt werden muss, dass das Ergebnis auf beiden Seiten des Atlantiks gleich ist !
Der Mythos einer Anlage in Aktien, die man als rentabelste auf lange Sicht preist, ist somit erschüttert. Eine Anlage in Staatsanleihen über den gleichen Zeitraum hätte einen Ertrag von 81,6% (ohne Besteuerung) gebracht. Dies ist umso mehr belastend, als diese Anlageart unendlich weniger volatil ist.
Ein zweiter Mythos wird ebenfalls zerrissen, nämlich der von der modernen Portefeuilletheorie gerühmte Mythos, der besagt, dass die erhoffte Anlagerendite umso höher sei als das vom Anleger eingegangene Risiko bedeutsam ist.
Muss man nun daraus schließen, wie es einige "griesgrämige" Geister tun, dass die Risikoprämie nicht mehr das ist, was sie einmal war ? Im Gegenteil, 10 Jahre, das reicht ! Es kann für uns keine Rede davon sein, zu kapitulieren und unsere Überzeugungen als "stock-pickers" in europäischen Aktien aufzugeben.
Zwei Gründe bestärken uns in unserer Meinung: der erste (nicht notwendigerweise der ausschlaggebende) ist statistischer Art. Seit Beginn des Jahrhunderts, wenn die Jahrzehnte negativer Aktienwertentwicklungen auch ziemlich rar waren, waren dagegen die auf sie folgenden Wiederaufschwünge (durchschnittlich +65% über 5 Jahre*) spektakulär.
Die jungen Leser werden denken, dass wir in die Vorgeschichte zurückgehen, die anderen werden sich sicher daran erinnern, dass das vorherige verlorene Jahrzehnt unter anderem durch den ersten Ölpreisschock ausgelöst wurde… Kein CAC40 in jenen Jahren, aber der DOW Jones existierte bereits. Betrachten wir also das Schicksal eines unglücklichen Anlegers, der am Ende des Jahres 1964 auf dem amerikanischen Markt investierte. Zehn Jahre später hatte der DOW Jones 31% seines Werts verloren, ein folglich rundum verlorenes Jahrzehnt, aber ein Moment, in dem die Schlacht nicht aufgegeben werden durfte, da der DOW Jones in den darauf folgenden 10 Jahren 130% zurückgewann (vor Dividende...).
Der statistische Ansatz ist häufig vereinfachend, da wir nicht vergessen dürfen, dass die Indices aus Titeln gebildet werden, deren Wertentwicklungen weit voneinander abweichen.
Und plötzlich öffnet sich das Feld von Möglichkeiten... Wenn der SBF 250 von 1999 bis 2009 auch ein armseliges Vehikel war, so steigt im gleichen Zeitraum das Erfolgstrio dieses Index, nämlich SECHILIENNE, FAIVELEY und VALLOUREC, um mehr als 1 300% ! Drei Werte der "Old Economy", die ihren Status als "deep value" aufgaben, um Wachstumswerte zu werden. Drei Werte, die uns daran erinnern, dass in verlorenen Jahrzehnten nicht vergessen werden darf, das feine Sieb herauszuholen. Die Goldklumpen existieren selbst in einem feindlichen makroökonomischen Umfeld: die Titelauswahl erlebte und wird noch gute Zeiten erleben.
Dieses Standbild wäre nicht vollständig, wenn man nicht auch eine Bilanz der zehn Jahre in Bezug auf unsere Vermögensverwaltung und Agressor zöge. Über zehn Jahre wächst Agressor um 107%, zweifellos nicht genug, um 2008 vollkommen vergessen zu machen, aber ausreichend, um eine Anlage in Staatsanleihen zu übertreffen. Auf jeden Fall genug, auf dass wir das Jahrzehnt 2010-2020 mit Zuversicht angehen können.